Praxis für physikalische Therapie Söhngen in Pfungstadt
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Die Physiotherapie - Ein Überblick

Fango, Kneipp und Massage - das fällt den meisten Menschen spontan ein, wenn es um Physiotherapie oder physikalische Therapie geht. Manche denken dann vielleicht noch an die Krankengymnastik. Dabei hat die Physiotherapie viel mehr zu bieten.

Die erste Verwirrung taucht schon beim Begriff auf: Was unterscheidet die Physiotherapie von der Physikalischen Therapie? Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Während die einen von Physikalischer Therapie und Physiotherapie in einem Atemzug sprechen und damit auch dasselbe meinen, machen andere wiederum einen Unterschied. Selbst der Gesetzgeber ist sich nicht ganz schlüssig: Einerseits spricht er von einem "Physiotherapeutengesetz", andererseits sagt er an anderer Stelle "Physikalische Therapie".

Manchmal ist es auch vom Beruf abhängig, welchem Begriff der Vorzug gegeben wird: Mediziner sprechen oft von der Physikalischen Therapie, Physiotherapeuten und Masseure dagegen eher von der Physiotherapie. Krankengymnasten und weiterqualifizierte Masseure nennen sich Physiotherapeuten, Ärzte könnnen "Facharzt für Physikalische Medizin" sein oder die Zusatzbezeichnung "Physikalische Therapie" tragen. Die Physikalische Therapie wiederum ist Teil der Physikalischen Medizin.

Wie dem auch sei: Auf dieser und den folgenden Seiten wird einfach der kürzere Begriff Physiotherapie verwendet.


Die Geschichte der Physiotherapie

Viele Verfahren der Physiotherapie sind der Menschheit schon sehr lange bekannt. Einfassungen von Quellen und entsprechende Funde, die Archäologen gemacht haben, zeigen, dass Thermal- und Mineralquellen bereits in frühgeschichtlicher Zeit genutzt wurden.
Vor 4000 Jahren die Chinesen, aber auch die rauen Germanen kannten schon Schwitzbäder und verschiedene Formen der Massage. Doch diese Verfahren waren nicht Teil einer rationalen Therapie irgendeines Leidens, sondern eher religiös-magische Prozeduren bzw. unspezifische Heilmittel. Auch in der archaischen Medizin Griechenlands hatte das Baden eine Doppelfunktion: Es diente der Reinigung und gleichzeitig religiösen Zwecken.

Hippokrates gilt als Begründer der wissenschaftlichen Medizin

Erst Hippokrates von Kos (460-377 v. Chr.) vertrat Auffassungen, die sich in Grundsätzen der heutigen Physiotherapie wiederfinden. Er verstand den lebendigen Leib als Organismus, Gesundheit als Gleichgewicht und Krankheit als gestörten physischen und psychischen Gesamtzustand. Zudem war er davon überzeugt, dass die Natur eine Art eigene Heilkraft besitzt. Als Aufgabe des Arztes sah
er, die Absichten der Natur zu unterstützen. Dabei muss er die Lebensweise, die Klima- und Umwelteinflüsse als Faktoren bei der Enstehung von Erkrankungen, aber auch bei der Wiederherstellung von Gesundheit miteinbeziehen. In den zweieinhalbtausend Jahren nach Hippokrates gab es zwar einige Verfahren der Physiotherapie, wie z. B. die Bädertherapie, die Massage oder auch die Bewegungstherapie. Die Grundidee von der Heilkraft der Natur wurde dagegen eher belächelt. In der Renaissance lässt Paracelsus (1494-1541) diese Idee wieder aufleben und befasst sich mit Thermal- und Mineralbädern.

Im 17. Jahrhundert brachte die Verbreitung von Medikamenten zwar einen gewissen Fortschritt, aber auch Gefahren mit sich. Folge davon war die Rückbesinnung auf einige Ideen des Hippokrates. So mancher Arzt riet zur Einschränkung der medikamentösen Therapie und zur Anwendung von Mineralwässern, Hydrotherapie und Bewegungsübungen.

Im 18. Jahrhundert wurde vor allem die Behandlung mit Wasser propagiert. Kaltes Wasser zog man zur Vorbeugung, aber auch zur Behandlung verschiedener Erkrankungen heran. Auch die Bäder-Behandlung in Kurorten und die Anwendung von Seebädern - zunächst vor allem in der Kinderheilkunde - erfreuten sich wachsender Beliebtheit.

Mitte des 18. Jahrhunderts trat dann eine weitere Methode der Physiotherapie gegen die gängigen Medikamente an: die Elektrotherapie.

Nach der Französischen Revolution wuchs das Misstrauen Medikamenten gegenüber noch weiter an. Im Gegenzug stieg das Ansehen der physiotherapeutischen Verfahren, v. a. der Bewegungs-, Wärme und Bädertherapie. Die Naturheilkraft hatte im ärztlichen Denken wieder eine bedeutende Stellung.

In Deutschland erlebte die Hydrotherapie, also die Behandlung mit Wasser, einen wahren Boom: Der schlesische Bauer Vinzenz Priessnitz (1799-1851) machte mit seinen teilweise recht brutalen Methoden Furore.
Nach seinem Tod gewannen die Ideen des bayrischen Landpfarrers Sebastian Kneipp an Einfluss. Kneipps Ideen gingen über die Hydrotherapie hinaus. Er entwickelte eine einfache Lebensregelung, kombinierte sie mit der Anwendung pflanzlicher Medikamente und einer Gesundheitserziehung.
Für die Kneippschen Methoden interessierte sich schließlich auch die Wissenschaft. So kam die Physiotherapie schließlich an die Universitäten, zunächst nach Wien, später dann nach Zürich, München und Berlin. Von Interesse waren dort natürlich vor allem die Verfahren, die sich naturwissenschaftlich genauer definieren ließen.

Heute ist die Physiotherapie aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Mit steigendem Bewusstsein nicht nur für den Nutzen, sondern auch die Risiken manch anderer therapeutischer Verfahren gewinnt die Behandlung durch Aktivierung der körpereigenen Heilkräfte sogar noch an Bedeutung.


Was bringt Ihnen die Physiotherapie ?

Viele Erfolge der Medizin in der Praxis, in Krankenhäusern und in der Rehabilitation sind ohne die Physiotherapie nicht denkbar. Vorrangige Ziele sind die Schmerzbehandlung und die Beseitigung von Funktionsdefiziten. Dabei geht es nicht immer nur um den Bewegungsapparat - obwohl dessen Erkrankungen aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung natürlich vorherrschen - auch Nerven-, Herz- und Gefäß-, Stoffwechsel- oder Atemwegserkrankungen sind mit der Physiotherapie günstig zu beeinflussen.

Und was oft vergessen wird: Die Physiotherapie ist nicht nur ein Mittel, um wiederherzustellen bzw. zu heilen. Sie eignet sich auch im besonderen Maße dafür, bei einmal erkannter Gefährdung oder Anfälligkeit vorbeugend tätig zu werden. Liegen schon Störungen der Körperfunktion vor, die nicht mehr rückgängig zu machen sind, kann die Physiotherapie Bewältigungsprozesse in Gang setzen.

Folglich liegen die drei Einsatzgebiete der Physiotherapie in der

  • Prävention: (Vorbeugung) Vorbeugung der Entstehung von Erkrankungen (so genannte Primär- oder Erstprävention) oder der Vorbeugung der Wiederkehr einer gleichartigen Erkrankung (so genannte Zweit- oder Sekundärprävention).
  • Therapie: (Behandlung) Früh- und Langzeitbehandlung akuter und chronischer Erkrankungen, unterstützend zu anderen Behandlungsmaßnahmen bei akuten Erkrankungen. Verbesserung der Lebensqualität in höherem Alter.
  • Rehabilitation: Maßnahmen zur Wiederherstellung von Fähigkeiten, die es ermöglichen, trotz körperlicher Beeinträchtigungen am täglichen Leben teilzunehmen. Ausgleichen oder Mindern von Funktionseinbußen, Verbesserung der Lebensqualität etc.

Die Physiotherapie ist dabei eine zentrale Behandlungsform. Sie ist in jedem Lebensalter möglich und bei vielen Leiden sogar effektiver als die medikamentöse Behandlung. Doch obwohl sie den natürlichen Wirkprinzipien verpflichtet ist, so müssen ihre Methoden doch fachkundig ausgewählt und angewendet werden. Die verkehrte Methode zur falschen Zeit und womöglich auch noch in den falschen Händen kann durchaus unerwünschte Wirkungen nach sich ziehen. Die richtige Auswahl der für den jeweiligen Zweck am besten geeigneten Methode ist eine Kunst, die in entsprechend fachkundige Hände gehört.


Ein kurze Definition der Physiotherapie

Sprachlich stammen die Begriffe Physiotherapie und Physikalische Therapie vom griechischen Wort Physis (= Natur) ab. Grundprinzip der Physiotherapie ist es, auf den Organismus Reize auszuüben, die in seiner natürlichen Umwelt bereits vorhanden sind. Solche Reize können z. B. die Einwirkung von Wärme oder Kälte sein oder die Ausführung bestimmter aktiver oder passiver Bewegungen. Alle diese Reize, also Wärme, Kälte und Bewegungen kennt der Organismus bereits aus dem Alltag. Im Unterschied dazu wirken die Reize in der Physiotherapie jedoch nicht zufällig und ungezielt auf den Organismus ein, sondern bewusst gesteuert und zielgerichtet. Ein Beispiel dafür ist die örtliche Anwendung von Kälte bei Entzündungsvorgängen.

Schließlich müssen die Reize einen Zweck erfüllen bzw. einem therapeutischen Ziel dienen: Sie sollen eine aktive Antwort des Organismus hervorrufen. Diese Antworten stammen aus dem natürlichen Spektrum der körperlichen Reaktionen. Ganz automatisch antwortet beispielsweise die Haut auf einen Kältereiz zunächst mit Blässe, später reaktiv mit Röte und Erwärmung. Solche natürlichen Reaktionen steuert das unwillkürliche Nervensystem. Muss es immer wieder auf denselben Reiz antworten, wird sich in seiner Antwort früher oder später etwas verändern. Um therapeutisch wirksam zu werden, muss der Reiz jedoch mehr als einmal einwirken - er muss möglichst serien-, d. h. kurmäßig zum Einsatz kommen.

Neben der direkten Antwort und der Veränderung dieser Antwort im Laufe der Zeit haben die physiotherapeutischen Verfahren meist auch noch indirekte Wirkungen. So kann z. B. die wiederholte Anwendung von Wärme- und Kältereizen im Wechsel den Körper gegen Erkältungen abhärten.


 
 


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